01.09.2026
Spitzensommelière Lisa Scheiber über ihre vielfältigen Aufgaben bei den Bergbahnen Sölden und warum der Job attraktiver ist, als manche glauben.

Es ist eine Bilderbuchkarriere, die Lisa Scheiber in ihren jungen Jahren hingelegt hat. Die Tirolerin ist dort groß geworden, wo andere Urlaub machen: im Skiparadies Obergurgl, in einem Familienbetrieb mit rund 100 Gästebetten. Entsprechend war ihr Weg zur Tourismusschule in Innsbruck vorgezeichnet. Nach Abschluss war ihr erstes Engagement gleich in einem Fünf-Sterne-Hotel in Sölden. Dort entdeckte sie ihre Begeisterung für Wein – nicht zuletzt dank des Sommeliers, der sie viel verkosten ließ und ihre Neugier förderte. Dann kam Corona. Scheiber nutzte die Gelegenheit zur Weiterbildung, absolvierte zunächst die Jungsommelier-Ausbildung am WIFI und war bereits mit 21 Jahren Diplom-Sommelière.
Danach wechselte sie zu den Bergbahnen Sölden und startete im mit zwei Hauben ausgezeichneten Restauran ice Q auf 3.048 Metern Seehöhe als Sommelière und stellvertretende Restaurantleiterin. Mittlerweile leitet sie das FALCON Restaurant und kümmert sich betriebsübergreifend um das Thema Wein. Neben ihren verantwortungsvollen Aufgaben hat sie ein Bachelorstudium in Tourismusmanagement abgeschlossen.
Die Arbeit bei den Bergbahnen Sölden unterscheidet sich zu klassischen Sommelier-Aufgaben: Die gastronomische Bandbreite umfasst unterschiedlichste Outlets – vom Gourmetrestaurant über À-la-carte- und Selbstbedienungsrestaurants bis zur unkomplizierten Schirmbar. Entsprechend unterschiedlich sind Gäste, Ansprüche und Weinkarten. Oder, wie Scheiber die Spannweite treffend auf den Punkt bringt: “von Romanée-Conti bis zum Spritzwein”.

Was ist der erste Wein in Ihrem Leben, an den Sie sich noch erinnern können?
Es ist nicht der erste und auch nicht unbedingt der größte Wein, aber sicher der überraschendste: Ich habe einmal einen L’Évangile 1988 blind bekommen und ihn um rund 20 Jahre jünger eingeschätzt. Das ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.
Bei Ihrem Job spielt die Höhe eine besondere Rolle. Wirkt sich das auch auf die Weinauswahl aus?
Absolut. Unsere unterschiedlichen Outlets reichen bis auf über 3.000 Meter Seehöhe. Dort haben wir einen anderen Luftdruck und einen anderen Sauerstoffgehalt, und das wirkt sich auf die Wahrnehmung aus. Die Weine dürfen daher durchaus kräftiger und opulenter sein. Champagner und generell Schaumweine performen in der Höhe ganz besonders gut. Ähnlich ist es beim Essen: die Aromen müssen insgesamt kräftiger sein.
Haben Sie ein Lieblingspairing?
Ribeye Steak vom Green Egg mit einem schönen gereiften Bordeaux. Das ist eine Kombination, die für mich einfach wunderbar funktioniert.
Was war die überraschendste Getränkebegleitung, die Sie selbst als Gast erlebt haben?
Ich habe schon viele alkoholfreie Begleitungen erlebt, und natürlich gehört auch Bier dazu. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber ein Knochenmark-Dessert von Jan Eggers (Anm.: Goldene Birn), dazu der Blanc de Noirs 2013 von Jurtschitsch. Diese Kombination war wirklich sensationell.
Womit überraschen Sie Ihre Gäste selbst gerne?
Mit richtig guten Säften. Wir arbeiten beispielsweise mit hochwertigen, biologischen Säften. Damit kann man auch abseits von Wein sehr spannende Begleitungen gestalten.
Was war die schönste Reaktion eines Gastes bisher?
Am schönsten ist es immer, wenn man jemanden wirklich überraschen kann und dann hört: „Wow, das war jetzt wirklich der Hammer!“ Genau das macht unseren Beruf aus. Wir können dazu beitragen, dass der Gast ein besonderes Gesamterlebnis hat. Wein verbindet man oft mit einem Anlass, einer Situation oder bestimmten Menschen. Wenn es gelingt, all das miteinander in Verbindung zu bringen und eine Erinnerung zu schaffen, ist das für mich das größte Lob.
Was muss eine richtig gute Sommelière können, das in keinem Lehrbuch steht?
Feingefühl. Das Zwischenmenschliche kann man nicht aus einem Buch lernen. Man muss eine Situation richtig einschätzen können: Welche Gäste sitzen vor mir, wie ist die Stimmung, wie ist die Laune und in welchem Umfeld befinde ich mich? Darauf muss man sich einstellen können.
Warum sollte ein junger Mensch heute Sommelier werden – trotz unattraktiver Arbeitszeiten und manchmal schwieriger Gäste?
Zum einen gibt es mittlerweile sehr viel Tagesgastronomie. Bei uns beispielsweise arbeiten wir großteils von 8 bis 17 Uhr. Zum anderen sind Kulinarik generell und Wein im Besonderen für mich zwei der schönsten und spannendsten Themen überhaupt. Es gibt kaum Berufe, in denen man sich so vielfältig entfalten kann. Die Ausbildung ist anspruchsvoll, aber der Beruf wird immer mehr geschätzt und gute Sommeliers sind gefragt. Gerade wenn der Weinkonsum insgesamt zurückgeht und dafür Qualität vor Quantität wichtiger wird, braucht es gute Beratung und das richtige Produkt.
Auch bei uns merkt man, dass sich etwas verändert hat. Wir haben viele langjährige Mitarbeiter, aber gleichzeitig auch sehr viele junge Leute. Alle unsere Gastronomieleiter sind unter 35, ich selbst bin 25.
Sie sind Vizepräsidentin des Tiroler Sommeliervereins. Was sind dort Ihre Aufgaben?
Ich bin seit Oktober 2025 Vizepräsidentin. Wir haben den Verein ganz neu aufgestellt, inklusive Rebranding, und möchten ein attraktives Programm mit Verkostungen und unterschiedlichen Veranstaltungen zusammenstellen.
Womit sind Sie bei der Sommelier-Ausbildung zufrieden, wo könnte man noch besser werden?
Mit den Inhalten der WIFI-Ausbildung bin ich sehr zufrieden, das hat aber nicht direkt mit dem Sommelierverein zu tun. Besonders wichtig finde ich, junge Leute zu fördern. Gleichzeitig muss man darauf achten, die Theorie in die Praxis zu bringen. Man muss Weingärten und Weinkeller sehen und mit den Menschen vor Ort sprechen. Die Ausbildung eines Sommeliers ist ohnehin nie abgeschlossen. Für mich gehören deshalb auch Weinreisen unbedingt dazu. Wir fahren jedes Jahr in ein anderes Gebiet und waren beispielsweise schon im Burgund, in der Champagne und im Piemont, heuer ging es nach Bordeaux.
Wovon haben Sie selbst konkret vom Tiroler Sommelierverein oder der Sommelier Union Austria profitiert?
Ich habe die Angebote sehr intensiv genutzt und versucht, an möglichst vielen Veranstaltungen teilzunehmen. Gerade in der Gastronomie sind Beziehungen und persönliche Kontakte enorm wichtig. Beim Thema Wein geht vieles leichter, wenn man sich mit anderen austauschen kann. Beide Vereine bieten dafür hervorragende Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen, voneinander zu lernen und gemeinsam Wein zu erleben.
Ihr eigener Arbeitsplatz zeigt, dass der Beruf des Sommeliers heute weit über das klassische Fine-Dining-Restaurant hinausgehen kann.
Absolut. Der Job als Sommelière kann sehr groß und vielfältig sein. Man muss nicht zwingend in einem kleinen Zwei-Hauben-Restaurant arbeiten, um sich intensiv mit Wein beschäftigen zu können. Bei uns reicht die Gastronomie vom ice Q bis zu Selbstbedienungsrestaurants und Schirmbars, und wir betreuen beispielsweise auch das Electric Mountain Festival (Anm.: Über 30.000 Besucher:innen in der Festivalwoche). Gerade diese Bandbreite macht meinen Job so spannend.
von Bernhard Degen
In Zusammenarbeit mit

(bezahlte Einschaltung)












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