18.05.2026

Blaufränkisch-Exoten von Italien bis Polen

Riesen-Potenzial für die österreichische Parade-Rebsorte, die besten Weine im Überblick und 100-Punkte-Chancen.

Über 100 Blaufränkisch aus neun Ländern
Über 100 Blaufränkisch aus neun Ländern © Anna Stöcher

Die heimische Weinwelt diskutierte auf der VieVinum überaus emotional, wie es sein kann, dass ein Blaufränkisch von der Prüfnummern-Kommission nicht auf Anhieb als Qualitätswein anerkannt wird und andererseits von einem internationalen Weinkritiker mit der Höchstnote von 100 Punkten geadelt wird. Nüchtern betrachtet herrscht aber ohnehin Konsens darüber, dass die sensorische Prüfung angesichts neuer Weinstile überarbeitet werden muss. Das passiert auch schon in einer Vorbereitungsphase. Hoffentlich wird dabei auch über die Besetzung der Prüfkommissionen nachgedacht, eine gewisse Verjüngung und Verbreiterung deren wäre für eine zukunftsfitte Qualitätsprüfung sicherlich dienlich.

Worüber wir eigentlich reden sollten

Schade ist, dass eine sensationell gute Nachricht, die Höchstwertung für den Blaufränkisch Lutzmannsburg Alte Reben 2023 vom Weingut Moric, der offenbar doch noch als Qualitätswein anerkannt wurde, zu einem derartigen Zwist führt. Eigentlich sollten wir über das grenzenlose Potenzial unserer Parade-Rotweinsorte Blaufränkisch reden. Sollten wir nicht nur, wir tun es auch: Kékfrankos, Blaufränkisch, Frankovka, Burgund Mare, Modra Frankinja, Lemberger, Franconia (...) kann wie kaum eine andere Sorte die Herkunft, das Terroir, den Boden transportieren. Und kommt auch mit Trockenheit, höheren Temperaturen und Niederschlagsereignissen gut zurecht. 

Allein in Österreich ist die Bandbreite enorm: von den Schieferböden am Eisenberg, lehmigen und kreidigen Böden im Mittelburgenland, Kalk und Schiefer am Leithaberg, sandig-schottrig am Neusiedlersee und sandigem Kalk am Spitzerberg in Carnuntum. Mehr als spannend ist daher auch der Vergleich mit anderen Ländern, insbesondere Ungarn, das dreimal mehr Kékfrankos/Blaufränkisch produziert als Österreich.

Markus Kirnbauer und Bernhard Degen
Markus Kirnbauer und Bernhard Degen © Anna Stöcher

United Nations of Blaufränkisch

Das Team von Wine + Partners organisierte eine einzigartige Vergleichsverkostung mit Blaufränkisch aus Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, aus Slowenien, Rumänien, Polen, Italien und Deutschland. Über 100 Proben standen zur Verkostung auf der VieVinum bereit. Wir fokussierten uns auf die nicht-österreichischen Weine, da die führenden heimischen Blaufränkisch-Produzent:innen ohnehin jährlich im Gault&Millau Weinguide verkostet und bewertet werden. Blaufränkisch Leithaberg DAC Ried Goldberg 2022 von Georg Prieler war mit 98 Punkten übrigens der bestbewertete Rotwein des aktuellen Guides.

Die besten Blaufränkisch von Italien bis Polen

Was sich in unseren umliegenden Ländern in Sachen Blaufränkisch tut, ist mehr als bemerkenswert. Das sind die Gault&Millau-Favoriten der jeweiligen Länder:

  • Ungarn: Telihold 2023, Weingut Eszterbauer - 94 Punkte
  • Slowakei: Frankovka Modrá 2023, Weingut Bott Frigyes - 93 Punkte
  • Tschechien: Frankovka 2023, Weingut Plenér - 91 Punkte
  • Polen: Dobre Modre 2022, Winnica Kamil Barczentewicz - 95 Punkte
  • Rumänien: Codru 2024, Weingut Edgar Brutler - 93 Punkte
  • Slowenien: Cru Silnica 2022, Weingut Verstovšek Estate - 94 Punkte
  • Italien: Franconia 2025, Weingut La Magnolia - 89 Punkte
  • Deutschland: Lemberger Endschleife 2022, Weingut Roterfaden - 94 Punkte

Nach der Verkostung von über 60 Proben war ein klarer Trend ersichtlich: Blaufränkisch aus vermeintlichen Cool Climate Regionen hat eine große Zukunft. Das polnische Weingut von Kamil Barczentewicz zeigte das große Potenzial auf. Bis auf weiteres bleibt aber Österreich qualitativ gesehen die führende Blaufränkisch-Nation. Mit 100-Punkte-Potenzial für mehrere Weingüter.

von Bernhard Degen

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