24.03.2026

Liebe auf den zweiten Blick

Interview: Wie sich Spitzensommelier Maximilian Moigg vom Biertrinker zum gefragten Weinexperten entwickelt hat.

Maximilan
Maximilan © privat

„Eigentlich war ich vom Thema Wein anfangs gar nicht so begeistert, ich war eher Biertrinker. Dann hat auch noch der Papa gesagt, dass ich die Sommelierausbildung machen soll. Ehrlich gesagt bin ich anfangs ungern hingegangen, aber schon nach der ersten Woche war ich begeistert!“ Bei Maximilian Moigg, dem Geschäftsführer, Restaurantleiter und Sommelier des ‘Herrnhauses’ in Brixlegg, war es Liebe auf den zweiten Blick. Aber die schönsten Liebesgeschichten haben niemals nur ein Kapitel.

Maximilian Moigg hat die Tourismusschule Zell am Ziller mit Matura abgeschlossen und ist dann gleich in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Zuerst in der Küche, dann im Service sammelte er erste Erfahrungen. Sein Bruder und Co-Geschäftsführer hat dann die Rolle des Küchenchefs übernommen und er selbst die Serviceleitung. „Daneben“ hat der Junggastronom bei den Wein-Ausbildungen Feuer gefangen. Auf den Sommelier Österreich folgte sofort der Diplomsommelier, dann der Sake-Sommelier und das ASI Diploma Gold (Association de la Sommellerie Internationale). Ausbildungen beim Court of Master Sommeliers stehen am Plan, mussten aber wegen der zeitintensiven Verpflichtungen im Familienbetrieb einstweilen hintangestellt werden. Für ein Gespräch mit Gault&Millau nahm sich der Tiroler aber Zeit:

Maximilian Moigg auf Château Montrose
Maximilian Moigg auf Château Montrose © privat

Welches war Ihr erstes prägendes Wein-Erlebnis?

Ich kann mich noch gut erinnern, wir haben zuhause meine bestandene Matura gefeiert, da holte Papa einen besonderen Wein aus dem Keller: Biserno 2013 (Anm.: ein sogenannter Supertuscan). Der hat mich richtig abgeholt, da habe ich erstmals wahrgenommen, dass Wein so richtig spannend sein kann.

Warum ist die Sommellerie der schönste Job der Welt?

Es ist gar nicht jedermanns Sache. Man muss sehr offen sein, aber das gilt generell für die Gastronomie. Ich könnte mir keinen besseren Job vorstellen. Man muss den Gast lesen können, sich auf ihn einstimmen. Das ist so vielschichtig und ein Topic, bei dem man nie auslernen kann. Man lernt immer etwas Neues dazu, das ist das Schöne am Job.

Was sind Ihre schönsten Erfahrungen als Sommelier?

Ich habe in der Corona-Zeit mit der Ausbildung begonnen, das war eine schwierige Zeit. Dann konnten wir endlich wieder aufsperren, mit neuer Weinkarte, neuen Weinen, und ich habe langsam mit einer Weinbegleitung angefangen. Wir haben ein Sechsgänge-Menü, auch vegetarisch, dazu habe ich schöne Weine ausgesucht und um zehn Euro angeboten. „Ein Weinglas um zehn Euro, das kauft niemand!“, haben sie mir prophezeit. In einer Woche habe ich drei Kartons davon verkauft, das hat mich dann schon gefreut. Wenn man zum Gast hinkommt, wenn der Wein perfekt passt und wenn der Gast so eine Freude damit hat, dann macht das den Tag!

Welche Tipps geben Sie dem Nachwuchs?

Ganz klassisch beim WIFI starten, Jungsommelier machen. Diplomsommelier, ASI. Österreich hat wirklich super Ausbildungsmöglichkeiten. Man sollte das wirklich nützen und sich so viel wie möglich weiterbilden. Österreich hat da wirklich einen Meilenstein hingelegt, dass man alle Prüfungen auch im eigenen Land ablegen kann.

Apropos Nachwuchs, welche jungen Winzer:innen forcieren Sie im Betrieb?

Ich habe da ein paar tolle Kontakte von meinen Weinreisen. Als erstes fällt mir Alexander Egermann aus dem Burgenland ein. Seine Weine haben mir sehr getaugt. Oder Thaller aus der Steiermark. Oder die Fischer-Brüder aus St. Anna am Aigen, extrem hohe Qualität, besonders der Morillon!

Maximilian Moigg im Weingarten
Maximilian Moigg im Weingarten © privat

Was macht moderne, zeitgemäße Sommellerie aus?

Ohne dem Thema alkoholfrei geht heute gar nichts. Sparkling Tea ist der Renner! Zum Beispiel vom Weingut Schauer aus der Südsteiermark. Man kann auch mehr mit Bier arbeiten. Zwischendurch ein Bier in der Menüfolge ist sehr erfrischend. Als Sommelier muss man laufend am Ball bleiben.

Merken Sie im Betrieb, dass weniger Alkohol getrunken wird?

Ja, nicht ganz so stark, aber es ist langsam nach unten gegangen. Die Gäste trinken aber bewusster, probieren auch etwas Exotisches oder preislich Intensiveres. Menschen trinken zwar weniger Alkohol, gönnen sich dafür aber mehr. Das Thema alkoholfrei beginnt bei uns erst, wir sind im Tiroler Tourismus schon sehr weinfokussiert. Wenn ein Autofahrer nur ein gutes Glas will, muss man dafür ein wirkliches Erlebnis bieten, ein Bordeaux wie Phélan Ségur oder ein Meursault.

Wenn morgen der Komet einschlagen würde: Welchen Wein würden Sie am letzten Abend öffnen?

Ich liebe deutsche Rieslinge, die haben mich schon bei der Ausbildung fasziniert. Vielleicht einen von Klaus Peter Keller. Ich wäre so glücklich, wenn ich nur irgendeinen kriege, ich würde auch ein schlechtes Jahr nehmen.

von Bernhard Degen


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