10.06.2026

Goldener Papagei eröffnet zweiten Standort

Nathan Spasić hat ein neues Kaffeehaus hinter der Karlskirche aufgesperrt. Mit gewohnt gutem Kaffee, kleiner Frühstückskarte und hausgemachten Pierogi.

Goldener Papagei in der Argentinierstraße
Goldener Papagei in der Argentinierstraße © Nathan Spasić

Nathan Spasić hätte es genauso gut lassen können. Sein „Goldener Papagei“ in der Praterstraße hat sich seit seiner Eröffnung im Jahr 2021 mehr als etabliert. Die Gäste lieben die eigenen Kaffeeröstungen, das unkomplizierte Frühstück und die Pastéis de Nata in der Vitrine. Auch familiär gesehen ist das Konzept des Kaffeehauses in der Leopoldstadt tief verwurzelt: Es ist eine Hommage an seinen Vater, der in den 1980er-Jahren als Erster die italienische Kaffeekultur ins sozialistische Belgrad brachte. Sein Café mit Metalltisch und Espressomaschine war damals eine kleine Sensation. Genannt hat er das Lokal „Zlatni Papagaj“, auf Deutsch „Goldener Papagei“.

Allerdings ist Spasić ein umtriebiger Gastronom, der auch mütterlicherseits Inspirationen schöpft und stets ein wachsames Auge für potenzielle Geschäftslokale hat. So stieß er eher zufällig auf das ehemalige Papiergeschäft in der Argentinierstraße hinter der Wiener Karlskirche. Eigentlich war er zu diesem Zeitpunkt gar nicht auf der Suche nach einem zweiten Standort. Er fragte den Eigentümer kurzerhand, ob dieser sich eine Vermietung vorstellen könne. Im Juli 2025 kam es zu ersten Gesprächen, im August begann schließlich die Kernsanierung. „Wir haben alles bis zum letzten Stein herausreißen müssen. So sind wir dann aber auch auf das bis dahin versteckte Kappengewölbe gestoßen“, erzählt der Inhaber im Gespräch mit Gault&Millau.

Etwas weniger als ein Jahr später zeigt sich der zweite Goldene Papagei mit vier Meter hoher Decke, freigelegtem Backsteingewölbe, bodentiefen Fenstern, einer hübsch beleuchteten Bar aus Glasbausteinen und Pflanzeninstallationen. Die Beleuchtung spielt überhaupt im gesamten Raum eine zentrale Rolle. „Abends ist das Licht besonders schön“, sagt Spasić. Künftig soll außerdem ein Schanigarten entlang der Hausfassade entstehen.

Hausgemachte „Paparogi“

Und dann wäre da noch die nagelneue Teigtaschenmaschine, die es in dieser Form kein zweites Mal in Österreich geben soll und die Spasić extra aus Taiwan einfliegen ließ. Im neuen Standort gibt es demnächst nämlich nicht nur den gewohnt guten Kaffee, sondern auch eine Spezialität: hausgemachte Pierogi beziehungsweise „Paparogi“, wie sie hier genannt werden. Das ist zugleich die zweite große Hommage an seine Familie, was man auch am Foto von Spasić' Oma auf der Speisekarte erkennt. „Meine Oma Zofia ist Polin, mit ihr habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Pierogi erinnern mich einfach wahnsinnig an meine Kindheit.“

Die Teigtaschen werden klassisch, aber auch in kreativen Varianten angeboten. Neben Füllungen mit Erdäpfeln, Käse und karamellisierten Schalotten finden sich etwa Kombinationen aus Gorgonzola, Birne und Walnuss oder geschmortem Rind mit Szechuan-Chiliöl und Lauch. Getoppt werden die „Paparogi“ mit Sauerrahm, auf Wunsch auch vegan (8 Pierogi kosten 10,90 Euro).

Auch abends darf eingekehrt werden

Die Bohnen stammen wie schon im ersten Goldenen Papagei teilweise direkt von den Produzent:innen, darunter von einer frauengeführten Farm in Brasilien, die Spasić selbst besucht hat. Wie gehabt, werden die Röstungen auch in Wieden eigens für das Kaffeehaus entwickelt. Mittelfristig soll sich das Lokal vom morgendlichen Kaffeehaus mit kleinem Frühstück über das Mittagsgeschäft bis hin zum abendlichen Aperitivo-Treffpunkt entwickeln.

„Ursprünglich hatten wir auch beim ersten Standort eine große Auswahl an Drinks. Es wäre schön, wenn wir hier wieder stärker die Leute am Abend zu uns bringen können“, sagt Spasić. Am wichtigsten ist ihm und Lena Hochholzer, der ersten Mitarbeiterin im ursprünglichen Goldenen Papagei und mittlerweile Geschäftsführerin im neuen, dass es ein Lokal für alle ist. Oder, wie Spasić selbst sagt: „Wir sind ein Nachbarschaftscafé.“

von Derya Metzler

Galerie

© Nathan Spasić
© Nathan Spasić
© Nathan Spasić
© Nathan Spasić

Auf dem Laufenden bleiben

Melden Sie sich kostenlos für unseren wöchentlichen Newsletter an.