11.03.2026
Der Idealtyp eines Wiener Wirtshauses hat neue Betreiber, die die Vorstadt-Schönheit bewahren wollen, gebackenes Gulasch inklusive.

„Ich habe schon beim ersten Betreten den Charme und das Potenzial des sehr gut eingeführten Lokals gesehen und mir gedacht, da möchte ich bis zu meiner Pension Gäste willkommen heißen und sie bekochen." Bei Ingobert Könczöl und Heidingers Gasthaus war es Liebe auf den ersten Blick. Das Heidingers ist ein Juwel der Wiener Wirtshauskultur, das von Robert und Susanne Heidinger über vier Jahrzehnte zu einer veritablen Institution gemacht wurde. Groß war die Sorge, als sich die beiden vergangenen Sommer in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedeten. Zu viele großartige Wirtshäuser wurden schon zu austauschbaren Pizzerien oder Asia-Restaurants. Doch beim Heidingers soll (fast) alles beim Alten bleiben – und das verdanken wir den neuen Betreibern Barbara Lass-Könczöl und Ingobert Könczöl. Sie haben erkannt, welchen Schatz sie da gefunden haben und möchten die liebgewonnenen Tugenden weiter pflegen.
Das legendäre gebackene Gulasch (17,50 Euro) hat sich auch für die neuen Wirtsleute schon als Signature Dish herauskristallisiert, das soll laut Könczöl „sicher immer" auf der Karte bleiben. Gebackenes war im Heidingers immer sehr gefragt, demzufolge haben Wiener Schnitzel (29 Euro) oder Alt-Wiener Backfleisch (29,90 Euro) ebenso einen sicheren Platz. Genauso wie eine kräftige Rindsuppe, die „gehört einfach in ein Wiener Gasthaus". Und hier kommt dann doch ein neuer Spin ins Konzept: „alpin trifft Wien" spielt auf die Tiroler Vergangenheit von Könczöl an. So gibt es bei den Suppeneinlagen nicht nur die Klassiker, sondern auch Kaspressknödel. Das Motto wird aber wohl durch die Zillertaler Ofenleber (25,90 Euro) am besten verkörpert. Der Wirt erklärt, dass die Ofenleber traditionellerweise auf den Tisch kam, wenn ein Schwein geschlachtet wurde, oder als Festtagsessen bei Hochzeiten serviert wurde. Was trinkt man dazu? Am besten ein Zeller hell, das im Heidingers vom Fass ausgeschenkt wird.




Natürlich dürfen vegetarische Gerichte in einer modernen Wirtshausküche nicht fehlen, Alt-Wiener Krautfleckerl (15,90 Euro) oder ein Knödel Tris (17,90 Euro) sind Fixstarter. Die Dessert-Auswahl möchte Könczöl noch weiter ausbauen, Marillen-Palatschinken (7,50 Euro) und Kaiserschmarrn (11,90 Euro) sollen jedoch Programmpunkte bleiben.
Bei derart liebevoller Pflege der Traditionen ist es nicht verwunderlich, dass die Stammgäste froh sind, ihr Lieblingswirtshaus weiter so vorzufinden. Sie sind dankbar, dass nichts an der Ausstattung geändert wurde und, dass es sowohl Klassiker als auch etwas Neues zu probieren gibt.
Ingobert Könczöl nimmt das Feedback der Stammgäste dankbar an: „Es ist eine aufregende Zeit für uns, gerade in den ersten Wochen als Gastronomen. Wir lernen jeden Tag viel dazu." Die Liebe zur Gastronomie ist nicht zuletzt durch den Einfluss seines Großvaters Otto Nentwich gewachsen. Dieser hatte zuerst international Karriere gemacht, um später ein Urgestein der Tiroler Wirtshauskultur zu werden. Barbara Lass-Könczöl hat durch Zufall entdeckt, dass das Gasthaus Heidingers zur Übernahme stand und nach einigen Gesprächen war klar, dass die Könczöls es fortführen wollen. Ein Geschenk für Freund:innen der Wiener Wirtshauskultur.
von Bernhard Degen












Melden Sie sich kostenlos für unseren wöchentlichen Newsletter an.