08.04.2026

Pauillac von Arvo Pärt bis Led Zeppelin

Nicolas Glumineau reiste aus Pauillac für ein Dinner zu den Döllerers – mit den besten Weinen und einer musikalischen Surprise im Gepäck.

Vigneron Nicolas Glumineau
Vigneron Nicolas Glumineau © Juliane Rentzsch

Es ist das Château mit dem wahrscheinlich längsten Namen. Nicht nur im Bordeaux. Vermutlich weltweit. Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande. Zwei Geschwister, alter Bordelaiser Adel, eine Erbschaft – lange Geschichte. Heute (genauer gesagt, seit 2007) wird "Comtesse" von der Familie Roederer, betrieben. Die faden Fakten: Appellation Pauillac, 120 Hektar, Umstellung auf biologische Bewirtschaftung, hauptsächlich Cabernet Sauvignon, aber auch Merlot und etwas Cabernet Franc und Petit Verdot. Pauillac eben. Für die Weine verantwortlich ist Nicolas Glumineau. Das Weinhaus Döllerer lud ihn nach Golling zum Dinner. Ein beherzter Griff ins Archiv der Comtesse, dazu großartige Gerichte von Andreas Döllerer und die eine oder andere musikalische Überraschung.

Brahms, Bowie und Bordelaise

Musikalisch? Genau das. Nicolas Glumineau ist Musikfreund. Keine bestimmte Richtung, aber Klassik, Jazz, Rock ist immer dabei. Hin und wieder auch Pop. Dann aber der richtig gute Pop. Mit Musik versucht er, mit seinem Wein in Schwingung zu kommen. Manchmal sind es Töne und Harmonien, manchmal Stimmungen, ein anderes Mal Themen, die von der Musik bearbeitet werden, und die an die Zeit im Weingarten oder im Keller erinnern. So hat jeder Wein sein passendes Musikstück, und die Verkostungsliste wird zur Playlist.

Beginnen wir dem letzten Wein. 1982. Den Wein kann man nicht einfach übergehen – er gehört schlicht zu den beeindruckendsten Weinen des Abends. In der Nase Nuss und Rauch, getrocknete Johannisbeere, Kandis, Zedernholz, Dörrpflaumen und Schwarztee. Morbid, aber verführerisch. Am Gaumen dann perfekte Balance, atemberaubende Intensität – und eine Eleganz, die einem schlichtweg den Atem nimmt. Gegenüber früheren Begegnungen hat er seine selbstbewusste, fast ein wenig exotische Fruchtsüsse abgelegt und erinnert heute an die 82er von Léoville Las Cases und Mouton. Die Musik dazu: das Klavier Quartett Nr. 1 in G-Moll, Opus 25 von Johannes Brahms. Ausgesprochen stimmig. Genauso wie das Gericht von Andreas Döllerer. Côtes de Bœuf vom Pinzgauer Ochsen mit Sauce Bordelaise, Nussbutterpüree, Puntarelle und Bittersalaten. Henkersmahlzeittauglich. Das Gericht, der Wein, die Musik. 

À la bonne heure!

Was es an diesem Abend sonst noch gab: Zu den Jahrgängen 2015 und 2017 (Musik von Herbie Hancock und Léo Delibes) ein sensationelles Kalbsbries "en Meurette". Eigentlich ein Gericht aus der Küche des Burgund, aber wer will das schon so genau nehmen. Vor allem, wenn es derart passend ist. Später noch Kalbshaxnravioli mit Artischocken und altem Parmesan. Dazu die Jahrgänge 1995 und 1996. Ein großartiger Doppeljahrgang, 1995 vielleicht eine Spur zugänglicher, der 96er immer noch vom deutlich höheren Cabernet-Anteil geprägt. Zum Jahrgang 1996 hat Glumineau Beethoven gewählt. Das Allegretto aus der 7. Symphonie. Zum 95er  "I'm deranged" von David Bowie.

Die gesamte Playlist bis zurück zum Jahrgang 1921 (Richard Wagners Ouvertüre zu Lohengrin) kann man per Streamingdienst downloaden. Die Weine gibt es im Weinhaus Döllerer und Wirtshaus wie Restaurant von Andreas Döllerer sind ohnehin stets eine Empfehlung.

> Zum Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande

> Zur Döllerer Enoteca

von Jürgen Schmücking 

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