28.08.2026

Wirt z’ Zell: Tradition trifft auf neue Ideen

Seit 400 Jahren trifft im Gasthaus Langwallner gelebte Wirtshauskultur auf regionale Küche und moderne Einflüsse.

Barbara Langwallner
Barbara Langwallner © Jürgen Schmücking

Nur wenige Gehminuten vom Irrsee entfernt liegt der traditionsreiche Familienbetrieb im Herzen von Zell am Moos. Heute führt Haubenköchin Barbara Langwallner das Wirtshaus bereits in achter Generation und verbindet österreichische Wirtshauskultur mit einer modernen, weltoffenen Küche.Österreichische Wirtshausklassiker bilden das Fundament, werden aber mit zeitgemäßen Ideen und Einflüssen aus aller Welt ergänzt.

Regionalität als gelebte Überzeugung

Eine zentrale Rolle spielt die Herkunft der Lebensmittel. Die Familie Langwallner kennt die Produzenten, mit denen sie zusammenarbeitet, viele der verwendeten Produkte stammen direkt aus dem Salzkammergut.

Regionalität ist hier mehr als ein gastronomischer Trend. Die Küche orientiert sich an den Jahreszeiten und an dem, was Natur und Umgebung gerade zu bieten haben. Qualität, kurze Wege und die Zusammenarbeit mit Produzenten, die ihre Lebensmittel mit Hingabe herstellen, gehören zur Philosophie des Hauses.

Wirtshausklassiker auf hohem Niveau

Auf der Speisekarte wird deutlich, wie diese Philosophie umgesetzt wird. Österreichische Klassiker nehmen einen wichtigen Platz ein – etwa das Wiener Schnitzel vom Kalb, in Butterschmalz gebacken und mit Petersilienkartoffeln, hausgemachten Preiselbeeren und Wiener Garnitur serviert, oder der klassische Tafelspitz aus dem Suppentopf. Aber auch Fischgerichte wie Wildfang Reinanke aus dem Mondsee gefüllt mit Kräutern oder Lachsforelle mit Kohlrabi, Kartoffelschaum und Nussbutter stehen auf der Karte. Auch Langwallners Saftgulasch mit Briocheknödel sowie Brat- und Blutwurst aus der eigenen Metzgerei stehen für traditionelle Wirtshausküche. Wer dann noch Platz für etwas Süßes hat, findet auf der Karte unter anderem Marillenknödel oder Salzburger Nockerl. Zusammen mit Gault&Millau-Herausgeberin Martina Hohenlohe hat Barbara Langwallner im Kochsalon einen Mondsee Zander mit Speck, Erbse und gebratenem Kopfsalat zubereitet. 

Mondsee Zander mit Speck, Erbse und gebratenem Kopfsalat
Mondsee Zander mit Speck, Erbse und gebratenem Kopfsalat © Hannah Rott

Gasthaus und Metzgerei unter einem Namen

Eine Besonderheit der Familie Langwallner ist die enge Verbindung zwischen Wirtshaus und Metzgerei. Schon das Gedeck wird als „Gruß aus unserer Metzgerei“ angekündigt und beispielsweise mit fein aufgeschnittenem Leberkäse, Kren und Brot serviert.

Auch die Brat- und Blutwürste auf der Speisekarte stammen aus der eigenen Metzgerei. So bleibt traditionelles Lebensmittelhandwerk unmittelbar mit der Wirtshausküche verbunden.

Eine Spitzenköchin mit internationalen Erfahrungen

Für die moderne kulinarische Ausrichtung steht besonders Barbara Langwallner. Nach dem Hotelmanagement College in Klessheim führte sie ihre berufliche Laufbahn in einige renommierte Küchen.

Sie arbeitete bei Alfons Schuhbeck in den Südtiroler Stuben in München und war später Küchenchefin in Schuhbecks Pop-up-Restaurant auf Sardinien. Eine weitere Station führte sie als Sous-Chefin zu Christian Jürgens ins Restaurant Überfahrt am Tegernsee. Mittlerweile hat Barbara Langwallner das Wirt z' Zell übernommen. "Es macht Spaß und ist genau das, was ich immer machen wollte", so Langwallner im Gespräch mit Martina Hohenlohe. 

Tradition, die weiterlebt

Das Wirtshaus von Barbara Langwallner, das mit zwei Hauben ausgezeichnet wurde zeigt, dass Tradition nicht bedeuten muss, alles so zu machen wie früher. Die mehr als 400-jährige Geschichte des Hauses und die mittlerweile achte Generation der Familie bilden vielmehr das Fundament, auf dem Neues entstehen kann.

Regionale Lebensmittel, die eigene Metzgerei, klassische Wirtshausgerichte und internationale Erfahrungen verbinden sich zu einer Küche mit klarer Herkunft und einem offenen Blick nach vorne.

So ist der Wirt z’ Zell nicht nur ein Gasthaus mit langer Geschichte, sondern ein Beispiel dafür, wie lebendig österreichische Wirtshauskultur sein kann, wenn Tradition bewahrt und zugleich mit jeder Generation weiterentwickelt wird.

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