15.04.2026

Pomali: Zwei Frauen beleben Wiener Wirtshaus

Ab sofort bringen Karoline Schuster und Mathilde Mazaud frischen Wind nach Rudolfsheim-Fünfhaus.

Das Ecklokal an der Märzstraße
Das Ecklokal an der Märzstraße © Nina Schäfer

Wirtshäuser haben es dieser Tage nicht leicht. Besonders, wenn man den Blick auf ländliche Regionen richtet. Vielerorts gehen – in den zumeist familiengeführten Betrieben – die Lichter aus. Einerseits sind es wirtschaftliche Herausforderungen, andererseits fehlende Nachfolge. Das hat auch unlängst die ORF-Dokumentation „Aufsperren statt Zusperren“ thematisiert (Gault&Millau hat berichtet). Was in den Dörfern ins Stocken geraten ist, scheint sich im Urbanraum in umgekehrter Form zu zeigen. Zumindest, wenn man Betriebe wie die Rosebar Centrala, Rosi und Reznicek hernimmt. Allesamt einstige Gasthäuser, die nach Leerstand von jungen Menschen wiederbelebt und mit zeitgemäßen Konzepten eröffnet wurden. Dazu reiht sich nun ein Exemplar aus dem 15. Wiener Gemeindebezirk: Das Pomali, ehemals Gasthaus Jagetsberger.

Seit Anfang April steht die Tür an der Ecke Märzstraße/Eduard-Sueß-Gasse, anliegend an den Forschneritschpark, offen. Dahinter stecken Karoline Schuster und Mathilde Mazaud. Die Deutsche und die Französin haben sich im Brösl kennengelernt, dort zwei Jahre lang Seite an Seite gekocht und sich schließlich dazu entschlossen, ein eigenes Lokal aufzusperren. „Wir wussten lange, dass wir etwas Eigenes machen wollten. Als wir dann das Gasthaus auf Willhaben gefunden haben, wollten wir es einfach probieren“, erzählen die Gastronominnen im Gespräch mit Gault&Millau. Unterstützt von drei Mitarbeiterinnen im Service wird das Pomali derzeit von einem reinen Frauenteam geführt. „Das hat sich so gefügt, wir sind aber sehr glücklich darüber.“

© Romain Bordier

Lauwarmes Senfei und geschmorter Lauch

Entgegen der Namensgebung des Gasthauses – „Pomali“ steht im Ostösterreichischen für „langsam, gemütlich, immer mit der Ruhe“ – ist bei Schuster und Mazaud relativ viel in kurzer Zeit passiert. Zwei Monate lang wurde geputzt und renoviert, Boden und Bar erneuert sowie Küchengeräte ausgetauscht. Zudem setzen sie, wo immer möglich, auf Eigeninitiative. „Was uns gleichzeitig auch ein wenig das Genick bricht“, scherzen sie. Das Geschirr etwa transportierten sie eigens im Koffer von französischen und Berliner Flohmärkten nach Wien. Die Menükarten zieren handgefertigte Linoldrucke von Radicchio und Kohlrabi. Wie weit ihr Einsatz geht, zeigte sich zuletzt, als der Ofen streikte und die Brotteiglinge kurzerhand zu Hause fertig gebacken wurden.

Apropos Brot: Das basiert auf Sauerteig mit Erdäpfeln und kommt mit Fenchelsamen-Butter zu Tisch (4,50 Euro). Dazu das lauwarme Senfei mit Blattspinat (7 Euro) und Erdäpfel mit würziger Sauce und Aioli (8 Euro). Beides zeigt, wie köstlich einfache Küche sein kann. Bei den Hauptgängen hat man die Wahl zwischen gemüsereichen Gerichten sowie meist einem Fleisch- und einem Fisch-Gang. Hier möchten sich die Betreiberinnen allerdings nicht festlegen. Gut so, wie wir finden, denn Herrlichkeiten wie die Belugalinsen mit geschmortem Lauch (14 Euro) möchte man auf der Karte wirklich nicht missen. Insgesamt keine Küche, die auf Spektakel setzt, einfach eine gute.

© Karoline Schuster

Würdige Alternative für Soda-Zitron

„Nur mit saisonalen Produkten aus der Umgebung zu arbeiten, zwingt uns zur Kreativität“, sagt Karoline Schuster. Für Wirtshausfreund:innen dürfte die größte Bürde das fehlende Soda-Zitron sein. Stattdessen gibt es eine „Pomali Limo“ mit selbst angesetztem Zitrussirup. Würdige Alternative! Das Angebot soll aber, sowohl beim Essen als auch bei den Getränken, laufend erweitert werden. „Wir legen viel ein und fermentieren, fangen da aber bei null an. Das braucht Zeit.“ Die Wirtinnen freuen sich jedenfalls bereits auf die Produktvielfalt im Sommer, etwa auf Feigen vom Bio-Feigenhof in Simmering und Tomaten von der City Farm Augarten.

Für all jene, die nicht in der Gegend wohnen, könnte das Pomali etwas versteckt liegen. Wer ehrliches – und durchaus fair bepreistes – Wohlfühlessen schätzt, dem sei ein Besuch bei Mathilde Mazaud und Karoline Schuster aber ausdrücklich empfohlen. An warmen Tagen auch im Schanigarten!

Pomali

Montag bis Freitag
17 bis 23 Uhr
pomali-wien.at

von Derya Metzler

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