Amador

18,5/20 WertungWertungWertungWertung
Standort

Grinzinger Straße 1190 Wien Wien

Testbericht

Gault&Millau Punkte

18,5 / 20

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Die besten Produkte, perfektes Handwerk und sehr viel Poesie! Ein Menü bei Juan Amador weiß auf verschiedenen Ebenen zu begeistern. So sehr wir die Renaissance heimischer Produkte in der Top-Gastronomie begrüßen – es darf in Österreich auch ein paar Restaurants geben, in denen man Hummer, Königskrabben, Jakobsmuschel, Steinbutt und Thunfisch in allerbester Qualität genießen kann. Auch Kaviar sei nicht zu vergessen. Regional-bodenständig geht es bei Amador nur ganz zu Beginn des Menüs zu. Beim Tapas-Reigen mit Tafelspitz-Apfelkren-Beeftea zum Beispiel.Eine große Küche zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie mit einem Aufwand betrieben wird, der in normalen Häusern übertrieben und absurd erscheinen mag. Die Miniaturen zu Beginn des Mahls, wo ein kleines Kunstwerk auf das nächste folgt, machen fast sprachlos. Zuerst weiten sich die Pupillen, um die Schönheit des Dargebotenen wahrzunehmen, dann schließt man die Augen, um sich ganz dem Geschmack zu widmen. Champagner oder Jahrgangscava liefern die passende Begleitmusik. Diese bleibt übrigens den ganzen Abend lang im Takt, wobei man, sofern das Budget keine Rolle spielt, noch einen Gang zulegen könnte. Auf der Weinkarte findet man von Jahrgangschampagner über Bordeaux und Burgund vieles, was man sich zumindest einmal im Leben gönnen möchte. Ein Menü von Juan Amador wäre zweifellos eine opportune Begleitung für solche Eskapaden.Seine große Stärke ist, feingliedrig-Filigranes aus den Produkten herauszukitzeln und gleichzeitig mit souveränem Elan Vollgas zu geben. Amadors „Geschmacksbomben“ sind nicht nur laut und mächtig, sie sind auch komplex und fantasievoll. Dabei greift der Meister mit spanischen Wurzeln gerne auf Klassiker zurück, für die er schon länger bekannt ist. Und doch sind sie dann wieder ein bisschen anders, als man sie in Erinnerung hatte. So verleiht Amador seiner berühmten Taube das Attribut „The next Chapter“, weil er sie jetzt mit Mango und Kokos exotisch fliegen lässt. Wenn Amador mit Gegensätzen spielt (Steinbutt mit Krautfleckerl und Speck beziehungsweise Kaisergranat mit Kalbskopf), wirkt dies nie bemüht. Im Gegenteil: Es schmeckt so stimmig, dass man sich fragt, wieso man es nicht überall genauso macht. Oder schon immer so. Doch gerade das macht den Reiz eines großen Restaurants aus. Die Tischkultur ist vorbildlich, der Service so, wie man es sich wünscht: zuvorkommend, flott und freundlich. Wer unbedingt ein Haar in der Suppe finden will, wird am ehesten über das Preisniveau diskutieren. Ja, das Amador ist wohl das teuerste Restaurant des Landes. Aber man bekommt für sein Geld auch wirklich viel geboten.

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